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Silvesterwanderung durchs Gelpetal – ein Feuerwerk für die Sinne

8,24 Kilometer

2 Stunden und 16 Minuten

↗ 140 m ↘ 140 m

Anreise: PKW, Wanderparkplatz Bergisch Nizza | Alternative: 625 bis Wuppertal Friedenshain und von dort zu Fuß

Zusammenfassung der Wanderung


Jahresausklang 2019 – und Zeit für einen kurzen Rückblick. Nachdem ich 2018 mit der Idee gestartet bin, wenigstens ein paar Leute zum mitwandern zu begeistern, durfte ich schnell feststellen, dass ihr euch gerne anstecken lasst. Und jeder, wenn es der eng getaktete Zeitplan des Alltags es zulässt, auch gerne mal auf einer Wanderung vorbeischaut.

Dieses Jahr haben wir mit dieser Wanderung 8 Wanderungen absolviert. Nicht schlecht bei 52 Wochenenden, die einem im Jahr zur Verfügung stehen und normalerweise voll gepackt sind mit Geburtstagen, Ausflügen und Besorgungen. Umso schöner, dass ihr alle auch zwischendurch etwas Zeit für natürliche Entspannung und sportliche Betätigung rund um Wuppertal gefunden habt. Insgesamt haben an den Wanderungen 72 Leute teilgenommen, also knapp 10 pro Wanderung. Und zusammen sind wir 93,7 Kilometer durch, nach und um Wuppertal gewandert. Das sind etwas mehr als 13,4 Kilometer pro Tour, chapéu.

„Das Gelpetal bildet zusammen mit dem Saalbachtal ein bewaldetes Naherholungsgebiet im Süde der Stadt Wuppertal und an der Grenze zu Remscheidd.

Die beiden Bäche Gelpe und Saalbach vereinen sich im Zillertal genannten unteren Gelpetal und münden kurze Zeit später in den Morsbach, einen der größten Zuflüsse der Wupper (Gelpetal).“

  • Schwierigkeitsgrad: Einfach
  • Typ: Rundwanderung
  • Highlights: Gelpe, Hämmer und Kotten (u.a. Käshammer), Huckenbach, Klinikum Bergisch Land
  • Einkehrmöglichkeiten: Alt und Neu (Restaurant)
  • Verpflegung: Rucksackverpflegung (Wasser und Snack)
  • Kurzbeschreibung: Vom Parkplatz „Bergisch Nizza“, benannt nach dem ehemaligen Ausflugslokal, geht es durch das Gelpetal entlang der Fließrichtung der Gelpe in Richtung Käshammer. Anschließend geht es aufwärts zur Klinik Bergisches Land und weiterer über schöne Feldweg in Richtung der Hofschaft Huckenbach. Die schöne Aussicht genießend geht es bald wieder hinab zur Gelpe und zurück zum Ausgangspunkt.

Komoot Wanderdetails


Beschreibung der Wanderung

Startpunkt ist das ehemalige Ausflugslokal „Bergisch Nizza“ im Gelpetal. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich das Gelpe- und Saalbachtal nach und nach in einen Erholungsraum. Dazu trugen unter anderem viele Restaurants und Ausflugslokale bei. Das Bergisch Nizza war eines der ersten und wenn man den Berichten der Zeitzeugen glaubt, auch das prächtigste. (Bericht in der WZ). Leider wurde das Lokal in Folge der Bombenangriffe von 1943 zerstört. Heute erinnert hier nur noch ein Schild an den Standort. Aber dieser Standort ist für viele Wanderfreunde, Läufer, Fahrradfahrer, Spaziergänger, Reiter oder Hundeliebhaber der Ausgangspunkt, um das Gelpetal zu erkunden. Das ist auf unzähligen Wanderwegen möglich, die die Wuppertaler Abteilung des Sauerländischen Gebirgsvereins markiert hat.

Begrüßung der Wandergruppe

Am Wanderparkplatz Bergisch Nizza sehen wir uns direkt einem Überbleibsel der Industriegeschichte konfrontiert, welche das Gelpetal über Jahrhunderte geprägt hatte. Vor mir ragt der Schornstein des ehemaligen Oberen Jansenkotten empor.

Schornstein des Oberen Jansenkottens

Im Gelpe-/ Saalbachtal gab es insgesamt 25 Hämmer und Schleifkotten, an einigen der Überresten bzw. ehemaligen Standorten werden wir heute entlang wandern. Aber warum siedelten sich genau in diesen beiden Tälern, so viele Hammerwerke und Schleifkotten an? Gab es hier so viel Eisenerz zum verarbeiten? Einen unerschöpflichen Holzvorrat?

Nein, es lag (vor allem) am Regen. Dass Wuppertal eine recht regenreiche Stadt sein kann, ist bekannt. Das führt allerdings auch zu einem steten Wasserreichtum und vielen kleinen Bächlein oder Flüsschen, der Kraft für den Antrieb verwendet werden konnte. Zwar wurde auch vereinzelt heimisches Eisenerz verarbeitet, aber die Hammerwerke verarbeiteten hauptsächlich den Siegerländer Stahl zu hochwertigen Stahl – auch Raffinierstahl genannt – weiter oder bereiteten den Stahl für die Weiterverarbeitung zu Sensen o.ä. vor. Zur Verarbeitung musste der Stahl natürlich erhitzt werden, das geschah mit Holzkohle, welche zuerst aus dem heimischen Wald hergestellt und später importiert wurde.

Für ein Hammerwerk oder Schleifkotten wurde meistens ein Stauteich angelegt (es hat natürlich nicht immer geregnet). Dafür wurde vom Fluss, in diesem Fall der Gelpe, ein extra Graben angelegt. Der Obergraben führt vom Mutterfluss zum Stauteich, mit der Möglichkeit über den Abfallgraben überflüssiges Wasser zuvor abzuleiten. Gab es keine Abfallgraben vor dem Stauteich, wurde ein Flutgraben vom am Ende des Stauteiches angelegt. Das vom Stauteich abfließende Wasser treibt dann das Wasserrad an und fließt über den Untergraben wieder in den Mutterfluss zurück. Am Pickardskotten kann sehr gut der ehemalige Stauteich erkannt werden.

Der Schornstein des Oberen Jansenkotten ist dabei schon ein Zeichen für die beginnende Industrialisierung und die Einführung der Dampfmaschinen. Natürlich gab es auch bei all dem Regenreichtum Phasen von Trockenheit, vor allem im Sommer, in denen die Fließkraft des Wasser nicht ausreichte, um die Wasserräder und damit die Schleifsteine anzutreiben. Diese Arbeit übernahmen nach und nach die Dampfmaschinen, für deren Abgabe die Schornsteine gebaut wurde. Der 1858 gebaute Schornstein der Oberen Jansenkottens ist der einzig erhaltene in diesem Gebiet, während die Werkstatt, in der um 1882 noch bis zu 14 Gehilfen arbeiteten, 1908 abgerissen wurden.

Aufbruch der Wandergruppe

Wir starten nun unseren Weg flussabwärts der idyllischen Gelpe und stoßen immer wieder auf die Überbleibsel der alten Standorte, welche manchmal durch die Reste eines umgekippten Schornsteins oder durch die klar erkennbaren Umrisse des Stauteiches zu identifizieren sind. Auf dem Weg kommen wir dann nach kurzer Zeit am Käshammer vorbei, der durch seinen gut erhaltenen Fachwerkaufbau (Ende 19. Jahrhundert) als Wahrzeichen des Gelpetals gilt. Der Käshammer wurde erstmal 1607 als Knochenmühle erwähnt, in der Tierknochen als Dünger für die Landwirtschaft zermahlen wurden. 1829 entstand an der Stelle dann ein Raffinierhammer, mit dem Roheisen zu Edelstahl verarbeitet wurde. Auch hier musste der Standort irgendwann der fortschreitenden Industrialisierung Tribut zollen, denn durch die Dampfmaschinen war man nun nicht mehr auf die Wasserkraft angewiesen und es war möglich auf den verkehrstechnisch deutlich besser angebundenen Höhenzügen (u.a. in Cronenberg) das Eisen zu verarbeiten.

Käshammer mit Stauteich

So kam es, dass der Käshammer 1896 einen Fachwerkaufbau bekam, in den eine Seidenweberei einzog. Gleichzeitig wurde das Haus gegenüber in eine Gaststätte umgewandelt und der ehemalige Stauteich als Freibad und für Ruderboote verwendet. Das letzte Hammerwerk (Büngershammer) wurde 1972 stillgelegt. Wer sich gerne so ein Gebäude von innen anschauen möchte, kann dies im Steffenshammer tun, welcher sich flussabwärts der Gelpe kurz vor der Mündung in den Morsbach befindet.

Käshammer mit Fachwerkaufbau von der Seite

Für uns dagegen heißt es jetzt Abschied nehmen von der Gelpe und wir biegen links ab und machen uns an den folgenden Aufstieg zur Klinik Bergisches Land zu bewältigen.

In der ehemaligen Bergischen Volks- und Lungenheilstätte Ronsdorf wird heutzutage von an Krebs erkrankte Menschen zur Nachsorge und Reha aufgesucht. Die Klinik gibt es seit 1901 und war bei seinem Bau ein Bauwerk von erheblicher regionaler Bedeutung, so dass der schöne Fachwerkbau zahlreiche Ansichtskarten aus dieser Zeit ziert. Wer jetzt allerdings ein schönes Gebäude erwartet, muss leider enttäuscht werden, da das Haupthaus abgerissen und durch den heutigen Betonbau ersetzt, in dem 211 Betten vorhanden sind.

Klinikum Bergisch Land mit Teich

Ab 1931 war die Lungenheilstätte ein Waldsanatorium für erholungsbedürftige Frauen, während es dann 1932 im Rahmen der Brünningschen (Brünning war der damalige Reichskanzler) Notverordnung (Sparmaßnahmen im ganzen Land) geschlossen. 1934 wurde es dann als Müttererholungsheim der nationalsozialistischen Wohlfahrt wieder eröffnet, bevor es in den Kriegszeiten des zweiten Weltkriegs als Not-Lazarett diente. 1945 wurde dann nach Kriegsende der Klinikbetrieb wieder aufgenommen.

Wir überqueren das große Gelände mit dem ruhigen Löschwasserteich, entlang der Minigolfanlage und verlassen bald das Gelände. Wir durchqueren eine kleine Ortschaft und finden uns anschließend auf einem schönen Feldweg zwischen hügeligen Wiesen wieder.

Zwar versperrt der Nebel die Weitsicht, aber auch die Nahansichten sind sehr schön und lassen vermuten, dass die Bewohner der nächsten Ortschaft Huckenbach sehr ruhig leben.

Blick auf Huckenbach

Huckenbach wurde erstmals 1312 erwähnt und ist der Quellort des Huckenbachs, neben dem Dornbach der zweite Quellfluss der Gelpe.

Für ein Stück folgen wir nun der Asphaltstraße und werden Zeugen eines interessanten Schauspiels, als der ansässige Schäfer seine Schafherde mit Unterstützung seiner Hunde von einer Weide auf die andere „umziehen“ lässt. Sehr viel Action und doch interessant, wie die Hunde genau wissen, was sie tun und die Schafe genau wissen, was von ihnen erwartet wird.

Schafsherde

Bald steigen wir über einen schönen Waldweg entlang einens kleinen Baches hinab zur Gelpe. Wir überqueren das klare Wasser über eine Brücke und wandern das letzte Stück entlang der linken Flussseite zurück zu unserem Startpunkt.

Für die tolle Wandergruppe, die mit einer Rekordbeteiligung von 17 Leuten so gut besucht war, wie noch nie (Danke dafür) gab es im Anschluss noch Berliner Ballen und einen Schluck Neujahrssekt.

Bitte lächeln 🙂
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2 Comments
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Christian
9 Monate zuvor

Wenn ich diesen Beitrag lese, kommt es mir vor, als ob ich selbst bei der Wanderung teilgenommen hätte. Super Infos, tolle Seite.

[…] Gelpetal: Das Gelpetal ist eine der Perlen Wuppertals. Zwischen Cronenberg und Ronsdorf erstrecken sich tolle Wanderwege, die zum entdecken einladen. Auch im Nachbartal, wo der Saalbach fließt und die Ronsdorfer Talsperre speist, führen viele Wege unter einem noch spärlichen Blätterdach hindurch. Gute Chancen also für die Sonne euch zu erreichen. Entweder erkundet ihr das Gebiet auf eigene Faust oder versucht eine dieser beiden bereits erwanderten Routen (hier oder hier) […]