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Etappe 2: Rund um Wuppertal | Von Dönberg nach Nächstebreck-Ost

13,5 Kilometer

3 Stunden und 18 Minuten

4,6 km/h

↗ 380 m ↘ 390 m

Niedrigster Punkt: 190 m

Höchster Punkt: 305 m

Anreise: Barmen Bf – Winterberger Weg (637 | 627)

Rückreise: Uhlenbruch – Oberbarmen Bf (602) + Schwebebahn | Zug

Zusammenfassung der Wanderung


Ein neues Jahr. Und ein neues Projekt. Einmal rund um Wuppertal. Was mit rund 100 Kilometern recht lang erscheint, wirkt zerteilt in kleine „Wander-Appetithäppchen“ schon schmackhafter. In insgesamt sechs Etappen wollen wir dieses Jahr Wuppertal umrunden und die Stadt von Norden, Osten, Süden und Westen betrachten. Die erste Etappe haben wir bereits im Februar bewältigt, als wir von Wülfrath-Aprath bis nach Dönberg gewandert sind. Die zweite Etappe führt uns von Dönberg über Herzkamp bis nach Nächstbreck-Ost, wo wir unterhalb von IKEA unsere Wanderung beenden.


„Herzkamp ist ein Kirchdorf im Stadtteil Gennebreck der Stadt Sprockhövel im Ennepe-Ruhe-Kreis, Nordrhein-Westfalen.“ (Herzkamp)

  • Schwierigkeitsgrad: Mittel
  • Typ: Streckenwanderung
  • Highlights: Deilbachtal, Hackenberg, Herzkamp, Golfplätze, Alt-Schee
  • Einkehrmöglichkeiten: EsS Bahnhof Schee
  • Kurzbeschreibung: Mit der 637 | 627 geht es vom Bahnhof Barmen nach Dönberg. Mittellange Wanderung mit welligem Profil. Zum Start geht es zunächst ins Deilbachtal und über den Höhenrücken des Hackenbergs (mit schönen Ausblicken) nach Herzkamp. Anschließend geht es entlang der örtlichen Gölfplätze und Alt-Schee, bevor wir kurz vor Schluss die Nordbahntrasse kreuzen und unterhalb von IKEA wieder in die Zivilisation zurückkehren und unser Ziel, die Bushaltestelle Uhlenbruch erreichen. Von dort nehmen wir den Bus bis nach Oberbarmen, wo wir den Zug bis zum Bahnhof Barmen nehmen.

Komoot Wanderdetails


Beschreibung der Wanderung

Trotz schauriger Wetterprognosen traf sich der harte Wanderkern unter dem bewölktem Himmel morgens um halb zehn am Barmer Bahnhof. Zu sechst und der Unterstützung des Wanderhundes Snooker ging es mit der 637 hinauf auf die Wuppertaler Höhen, wo wir an der Bushaltestelle Winterberger Weg zur großen Freude von Snooker endlich den Bus verlassen konnten. Hier in Dönberg, wo wir die erste Etappe im Februar beendet hatten (diese kannst du hier noch einmal nachlesen: Etappe 1: Rund um Wuppertal), starteten wir nun auf die zweite Etappe des Wanderweges Rund um Wuppertal, der uns heute auf knapp 14 Kilometern bis an die Industriegebiete von Nächstebreck-Ost bringen wird.

Schon nach kurzer Zeit bogen wir auf den Winterberger Weg ab und hatten bereits einen tollen Blick auf das Deilbachtal. In dieses wanderten wir nun immer tiefer hinein – damit verbunden war ein Umschwung der Geräuschkulisse. Vom überlagernden Lärm der Automobile im Stadtgebiet, waren nun das Zwitschern der Vögel, das Rauschen des Windes in den Baumwipfeln und die ausgelassenen und angeregten Gespräche der Gruppe die dominierenden Geräusche.

Hofschaft

So ging es an kleinen Hofschaften mit liebevollen Häuschen vorbei, während links und rechts die saftigen grünen Wiesen nach und nach von bewaldeten Gebieten abgelöst werden.

So standen wir nach kurzer Zeit am Deilbach, dessen Name sich nicht wie beim Anblick des Tales vermutet vom Wort teilen ableiten lässt. Stattdessen lässt sich der Wortstamm Deil auf das Wort dedele zurückführen, was sich winden bedeutet. Und das ist auch sehr zutreffend auf diesen kleinen munteren Bach, der unterhalb von Einern in Hatzfeld auf knapp 300 Metern entspringt und auf seinen 21 Kilometern Flusslauf einige Täler prägt und 250 Meter niedriger bei Essen-Kupferdreh in den Baldeneysee und somit die Ruhr mündet.

Für uns ging es nun nicht dem Bach folgend bergab, sondern hinauf auf den Höhenrücken des Hackenbergs, wo wir auf die folgende Steinformation stießen. Die Spiralform (ja, abgelaufen und überprüft) führt im inneren zu einer Blume. Man darf spekulieren, was für Rituale hier durchgeführt werden. Für uns war es trotzdem ein passender Ort, um kurz zur Wasserflasche und in den Proviantbeutel zu greifen.

Anschließend ging es über breite und einfach Waldpfade durch einen schönen Nadel- und Laubwald weiter, bis sich der Blick auf Herzkamp und seine dazugehörige Kirche öffnete.

Blick durch die Wiese

Die Etymologie (Wortherkunft) von Herzkamp führt auf das Wort Hirschfeld zurück. Interessant ist, dass Hatzfeld, was ja nur einmal über den Hügel liegt, denselben Namensursprung hat. Nachdem wir Herzkamp durchquert hatten, bot sich uns anschließend ein beeindruckender Blick auf die Herzkamper Mulde. Hier befinden sich eine der ältesten Funde, die auf den Bergbau im Ruhgebiet schließen lassen. Teilweise lassen die Rückstände auf Bergwerke schließen, in denen schon um 1450 Kohle abgebaut wurde. Manche sprechen sogar von der „Wiege des Ruhgebergbaus“. Während das Gebiet heute vor allem landwirtschaftlich genutzt wird, lagen vor knapp 600 Jahren die Kohleflöze fast direkt unter der Erdoberfläche, womit sie natürlich leicht abzubauen waren. In Richtung Münsterland lagen dieselben Flöze bereits bis zu 1000 Metern unter der Oberfläche.

Unvorstellbar ist allerdings die Zeitspanne und die Entstehung dieser Kohleflöze. Abgebau innerhalb weniger Jahrhunderte, liegt hier Ursprung einige Jährchen mehr zurück. Vor 270 bis 350 Millionen Jahren war die Herzkamper Mulde und das umliegende Gebiet von riesigen Farnwäldern bedeckt. Diese wurden mit der Zeit von Sedimenten verdeckt, zersetzen sich und wurden unter Druck nach und nach zu Kohle – bis unsere Vorfahren die Nutzbarmachung von eben dieser in über Jahrmillionen entstandenen Kohle entdeckten.

Neben der Landwirtschaft wird dieses Gebiet auch von anspruchsvollen Golfspielern genutzt, denn hier haben sich direkt zwei Golfplätze angesiedelt. Der Weg führt durch diese Plätze hindurch und lässt einen immer wieder auf das gepflegte Grün blicken. Welch ein Aufwand, die Plätze so sauber und in Schuss zu halten. Statt einigermaßen natürlicher Wälder stehen hier einige Bäume zur Dekoration entlang der Abschlagsrouten.

Dunkle Wolken über dem Golfplatz

Wir gehen einige Zeit später durch die kleine Ortschaft Schee, welche eine Amsammlung von alten Fachwerkhäusern kennzeichnet. Schee gehörte zur Grafschaft Mark und lag direkt an der Grenze zum Herzogtum Berg. Als die Grafschaft Mark 1605 an Brandenburg und damit an Preußen fiel, richteten die neuen Herren in Alt-Schee eine Zollstation ein. So mussten für die Kohletransporte aus der Grafschaft Mark an das Herzogtum Berg an dieser Stelle reichlich abgaben entrichtet werden. Schee leitet sich vom Begriff Scheid ab – eine Referenz auf die in dieser Gegend verlaufende Wasserscheide zwischen der Wupper und der Ruhr.

Fachwerkhaus in Schee

Während sich der Himmel aktuell verdunkelte, führten uns unsere Füße und Mägen mit Freude zum EsS Bahnhof Schee. Der hier am alten Bahnhof Schee liegende Imbiss versorgt einen mit allem wünschenswerten von Kaffee mit Waffeln bis Bier mit Pommes. Oder halt Kaffee mit Pommes. Der Bahnhof liegt an der Trasse der ehemaligen Kohlebahn, die von 1884 bis 1984 (ein Jahrhundert) Waren und Personen von Wichlinghausen bis nach Hattingen oder umgekehrt transportierte. Der Bahnhof Schee war dabei der größte Kohleumschlagsplatz in Preußen. Heutzutage nutzen Jogger und Fahrradfahrer die ehemalige Trasse als Nordbahntrasse im Süden und als Anbindung zum Ruhrtalradweg im Norden.

Gestärkt ging es für uns nun ein Stück entlang der Trasse und dann hinauf zum Golfhotel Vesper. Dicke SUV vs. Wanderschuhe. Über den Mollenkotten und die Autobahnbrücke über A46 bot sich ein toller Blick auf Wuppertal – überraschend mit einigen dicken Regenwolken überzogen. Wir waren soweit von Sonnenstrahlen verwöhnt gewesen, was sich auch bis zum Ende nicht mehr ändern sollte. Mittlerweile hatte uns auch der Autolärm wieder und so mancher dachte sehnsüchtig an das Vogelgezwitscher im Deilbachtal zurück. Plötzlich waren wir wieder auf der Trasse, welche wir aber nach weiteren 50 Metern wieder linker Hand verlassen konnten und über einen angenehmen Waldweg zum Nächstebrecker Wasserturm hinaufstiegen. Der von vielen Punkten im Tal sichtbare markante, wurde 1974/75 parallel mit dem Wasserturm auf Lichtscheid errichtet und verstärkten somit die Wuppertaler Wasserversorgung. Der von der Herbringhauser Talsperre gespeiste Wasserturm ist aktuell seit 2013 auf Grund Sanierungsbedarf außer Betrieb. Schon imposant, so einen Wasserturm, der sonst nur von weiten zu sehen ist, so nah zu sein.

Wasserturm Nächstebreck

Die restlichen Meter zu unserem Etappenziel führten durch ein kleines Waldgebiet, welches uns dann unterhalb von IKEA auf der Schmiedestraße ausspuckte. Einige Meter der Straße bergab folgend erreichten wir dann die Bushaltestelle, wo auch schon kurze Zeit später die 602 uns sicher zurück nach Oberbarmen transportierte.

Zurück in der Zivilisation

Ich persönlich finde den Wanderweg Rund um Wuppertal faszinierend. Es ist unglaublich, durch was für Gebiete wir wandern, welche einen sofort vergessen lassen, das wir uns an der Grenze zu einer Großstadt befinden. Ausblick ohne ein Zeichen von Zivilisation und Waldpfade, welche nur wir zu betreten scheinen, wechseln sich ab mit Blicken auf Wuppertal und historische Geschichten aus vergessenen Zeiten.

Die nächste Etappe wir in Langerfeld zu Füßen des Ehrenbergs starten und über diesen bis nach Beyenburg führen und wenn Kraft und Energie mitspielen sogar bis nach Lüttringhausen. Allerdings wird es voraussichtlich erst im Juli soweit sein und wir werden uns sehnsüchtig an diesen kühlen Mai-Morgen zurückerinnern.

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