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Bergische Streifzüge 6 – Grafen- und Mönchsweg zwischen Odenthal und Altenberg

11,4 Kilometer

3 Stunden und 14 Minuten

↗ 240 m ↘ 240 m

Anreise: PKW, Parkplatz am Rösberg, 51519 Odenthal

Zusammenfassung der Wanderung


Die „Bergischen Streifzüge“ sind 24 Themenwanderungen des „Bergischen Wanderlandes“. Neben den Streifzügen, die allesamt Rundwege sind, gibt es auch noch die beiden Fernwanderwege „Bergischer Weg“ und „Bergischer Panoramasteig“. Die Streifzüge sind meist zwischen 4 und 16 Kilometer lang und führen auf abwechslungsreichen durchs Bergische Land. Die Wege sind mit einem roten Wanderzeichen und der entsprechenden Zahl durchgehend und gut markiert. Darunter sind auch sechs Familienwege, auf denen Infotafeln und interaktive Stationen Kinder und Erwachsene zum Entdecken einladen. Wer mehr über die Bergischen Streifzüge erfahren möchte kann den Übersichtsflyer oder die einzelnen Steckbriefe einsehen.

„Auf die Spuren der späteren Grafen von Berg führt dieser 11,4 Kilometer lange Rundweg ebenso wie zu den berühmten Spuren, die Zisterziensermönche im Dhünntal hinterlassen haben. Auf dem Weg begibt sich der Wanderer auf eine Zeitreise.

Er erfährt, wie die Mönche den Dom gebaut haben, warum die Menschen des frühen Mittelalters die Grenzen ihrer Besitzungen befestigen mussten oder entdeckt die Überreste einer alten Fliehburg. (Grafen- und Mönchsweg).“

  • Schwierigkeitsgrad: Mittel
  • Typ: Rundwanderung
  • Highlights: Altenberger Dom, Dhünn, schöne Aussichten und tolle Waldwege
  • Einkehrmöglichkeiten: Verschiedene Restaurants und Cafes entlang des Weges (vor allem am Altenberger Dom und in Odenthal)
  • Verpflegung: Rucksackverpflegung (Wasser und Snack)
  • Kurzbeschreibung: Die Strecke startet sofort mit einem Highlight, denn es wird der Altenberger Dom passiert. Vorbei am Dom folgt man der Dhünn durch idyllische Wege ehe die Hauptstraße gekreuzt und ein steiler, aber angenehm zu laufender Anstieg nach Glöbusch folgt. Entlang des Osenauer Baches geht es hinab ins Tal und zur Dhünn. Stromaufwärts geht es entlang der Dhünn durch Odenthal bis wir nach dem Kreuzungspunkt mit dem Hinweg hinauf nach Eberich, wo tolle Aufsichten auf den Wanderer warten. Im Anschluss führt der Weg durch ein idyllisches Waldstück wieder hinab zum Altenberger Dom.

Komoot Wanderdetails


Beschreibung der Wanderung

Brrrr. Ist das noch kühl. Um Punkt halb neun steige ich mit meinem Vater und Snooker aus dem Auto und spüre die letzten Ausläufer der kalten und kristallklaren Nacht. Es ist Ende Dezember und für heute ist ein strahlendblauer Himmel und Sonne en masse angesagt. Perfekt also, um nach dem Obstweg einen weiteren Bergischen Streifzug auszuprobieren. Wir starten auf dem Parkplatz am Rösberg, sozusagen in Griff- und Sichtweite zum Alternberger Dom. Der Grafen- und Mönchsweg, dem wir heute folgen möchten, befasst sich an vielen Stellen mit der Geschichte des Bergischen Landes. Wer als gerne mehr über die Burg Berge und die Grafen von Berge erfahren möchte, ist bei den insgesamt 8 Infotafeln genau richtig und bekommt wunderschön aufbereitete Informationen.

Wanderzeichen des Bergischen Streifzugs 6

Der Weg hat die Form einer „8“, so dass sich der Rundweg an einer Stelle kreuzt. Die Markierung ist aber ausgezeichnet, so dass man sich eigentlich keine Sorgen machen muss, ausversehen in die Falsche Richtung zu laufen oder einen Teil zu überspringen. Schon nach einigen Metern kommt der Alternberger Dom in Sicht und über den Vorhof bewegen wir uns auf die Kirche zu.

Als die damaligen Grafen von Berge ihre imposante Burg Berge und das Dhünn-Tal hinter sich ließen und 1133 in ihre neue Heimat nach Schloss Burg umsiedelten, überließen Sie die Burg den Zisterziensern Mönchen. Doch wer jetzt gedacht hätte, dass die Mönche sich in der alten Burg gemütlichen machten, irrt sich. Stattdessen rissen die Mönche Teile der Burg ab und verwendeten diese um im Tal nahe der Dünn ein Kloster zu errichten. Daher auch der Name Altenberg (nach der alten Burg Berge). Nach und nach wurde das Gelände erweitert und um 1255 wurde der Altenberger Dom errichtet. Da der Zistersienserorden strengen Ordensregeln unterliegt, die sich sehr an Einfachheit und Schlichtheit orientieren, finden sich diese Einflüsse auch am Bau wieder z.B. fehlender Kirchtürme).

Zwar wurde die Abtei im Zuge der Sälukarisation 1803 aufgelöst, dennoch fand sich in den folgenden Jahrhunderten immer wieder ein Besitzer der die notwendigen Restaurierungen durchführen ließ, die den Dom im heutigen Glanz erstrahlen lassen.

Altenberger Dom von der Seite

Wow, so ein Highlight direkt zu Beginn. Was hat denn dieser Weg noch zu bieten auf den ausstehenden elf Kilometern? Zuerst einmal beherzigten wir den Spruch, dass es auch immer wieder wichtig ist, sich umzudrehen und das was hinter einem liegt zu betrachten. Seht selbst:

Frostiger Baum im Morgengrauen

Für so ein Bild lohnt sich doch auch das früher aufstehen. Die noch vom Frost überzogene Wiese und davor eine einsame Eiche. Die Bänke, die in der Umgebung stehen, laden eigentlich zum verweilen ein, aber dazu ist es heute dann doch zu kalt. Wir gehen weiter, unterqueren die Hauptstraße und biegen danach links ab. Nun müssen wir für ein kurzes Stück der Straße folgen bevor wir endlich in den Wald abbiegen und diesem beim Erwachen beobachten können. Nun stößt auch die Dhünn hinzu und wir genießen die morgendliche Ruhe.

Die kalte Winterluft brennt in den Lungen und hat den Geschmack von Frische und Energie. Die durch die Dhünn verströmte Kühle tut ihr übriges dazu. Kurze Zeit später ändert sich der Ausblick, denn wir verlassen den Wald und laufen entlang einer großen Wiese, an dessen Ende wir das gelb hervorleuchtende Schloss entdecken. Heute befindet sich das Schloss im Besitz der Familie Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, einer ehemaligen Fürstenfamilie.

Schloss Strauweiler

Nun heißt es erst einmal Abschied nehmen von der Dhünn, denn der Weg macht jetzt Anstalten die Straßen zu überqueren und sich dann einen schönen Waldweg nach Göbusch hochzuwinden. Zuerst passieren wir noch vereinzelte Häuser, die im Schatten liegen, doch schon kurze Zeit später lugt die Sonne hervor.

Hallo Sonne

Schon kurze Zeit später streckt die Sonne ihre warmen Finger gemächlich nach uns aus, während wir die langsam aufkommende Wärme willkommen heißen. Und wie sich gleichzeitig die Landschaft verändert. Während zuvor noch alles kalt und eher blass wirkte, sorgt die Sonne dafür, dass die Farbe in die Welt zurückkehrt.

Sonne + Anstieg = Warm. So erreichen wir den Ort Glöbusch, der uns mit ein paar süßen Fachwerkhäusschen begrüßt.

Der Ort selber ist schnell an der Hauptstraße durchquert, bevor der Weg wieder nach rechts abbiegt und entlang der westlich ausgerichteten Häuser mit ihren teils tollen Balkonen führt. Bestimmt gibt es hier tolle Sonnenuntergänge, denn der Blick reicht teilweise bis in die Kölner Bucht. Uns dagegen führt der Weg plötzlich in den angrenzenden Wald zum Osenauer Bach. Wie glücklich sich die Menschen hier schätzen können, mit so tollen Waldgebieten direkt vor der Haustür. Dem Bach folgend geht es weiter und schnell wird sichtbar, dass das Waldsterben auch hier keine Pause eingelegt hat. Etliche Fichten liegen an den Seiten oder es grüßen es leere, abgeholzte Flächen.

Trotzdem ist dies ein echt schöner Abschnitt, auf dem immer wieder das Herz hüpft, wenn die Sonne durch die Bäume bricht und die Strahlen die Nasenspitze kitzeln.

Sonne zeigt sich

In Osenau angekommen biegen wir links und direkt danach wieder links ab. Wir nähern uns wieder der Dhünn, doch plötzlich blickt diese alte Stadtvilla durch das Geäst auf uns hinab. Ging es nach den Plänen einer damaligen reichen Kölner Bürger hätten in dieser Gegend eine ganze Villenkolonie zur Naherholung von der städtischen schlechten Luft entstehen sollen, doch obwohl Pläne bereits vorlagen, kam diese (wahrscheinlich aus Kostengründen) nicht zu Stande.

Blick auf eine alte Villa

Die Dhünn. Sie fließt uns nun wieder entgegen und wir werden ihr für ein gutes Stück folgen können. Der mit 40 Kilometern längste Nebenfluss der Wupper mündet erst kurz vor Leverkusen (bevor die Wupper in den Rhein mündet) in die Wupper. Die Dhünn hat zwei Quellarme, die beide in der Großen Dhünntalsperre zusammengestaut werden, welcher die drittgrößte Trinkwassertalsperre in Deutschland ist. Sie umrundet Odenthal und während der Fluss gemütlich vor sich hinfließt, entscheiden wir uns beim örtlichen Bäcker einen kleinen Zwischenstopp einzulegen.

Gestärkt geht es wieder und so geht es weiter entlang der Dhünn, als plötzlich ein seltsamer Ort auf uns wartet. Das Steiner Wind- und Wassermuseum. Unglaublich vielzählige kleine Modellbauten (von Schiffen oder dem Altenberger Dom) warten darauf entdeckt zu werden. Wir sind leider nur vorbeispaziert, aber beim nächsten Besuch werde ich hier sicherlich mal einen Blick hinein werfen.

Wind- und Wassermuseum

Aber nicht nur das Museum lässt uns innehalten. Auch dieser Graureiher sorgt dafür, dass wir kurz innehalten und mit ihm gemeinsam die Sonne genießen. Als er kurz darauf seine Flügel ausbreitet und davon fliegt, zeigt er seine beeindruckende Spannweite.

Graureiher auf der Wiese

Wenn wir nur auch so einfach fliegen könnten, wäre der nächste Anstieg wahrscheinlich etwas entspannter. Dieser hat es vor allem zu Anfang gewaltig in sich und fällt nur unserem Border-Collie leicht. Aber auch wir sind irgendwann oben und – wie es immer ist – werden mit allerlei Tieren und schönen Aussichten belohnt.

Wofür steigt man bergauf? Damit man wieder bergab steigen kann! So auch hier. Aber der Abstieg (wieder einmal entlang eines kleines Bachlaufes der einen durchaus beachtlichen Einschnitt geprägt hat) ist sehr schön und bietet wieder viel zum entdecken und ausprobieren (bitte nicht nachmachen und auf den Baumstamm klettern).

Kurz vor dem Ende wartet dann noch ein geologischer Aufschluss auf uns. Hier tritt ein eigentlich tiefer liegender Gestinsuntergrund zu Tage. Und das interessante an diesem ist, dass auf ihm gewellte Linien zu erkennen sind. Daraus lässt sich schließen, dass das Gebiet früher an einem tropischen Küste lag, denn die gewellten Linien sind nichts anderes als Wellenbewegungen, die sich im seichten Wasser in den Untergrund eingruben. Ein bisschen Schlamm drüber und ein paar Millionen Jahre warten – und zack, das Ergebnis können wir heute bewundern.

Die letzten Meter sind dann gemütliches Austrudeln, die einem in mittlerweile angenehmen Temperaturen zurück zum Parkplatz führen. Da kann man fast schon mit offenem Dach fahren.

Festgefahrene Kutsche

Eine unglaublich schöne Runde, die sehr abwechslungsreich ist und dabei wahnsinnig viele Informationen über die Geschichte und Region bietet. Absolut empfehlenswert und super ausgeschildert.

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